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Billy Graham war der erfolgreichste Evangelist des 20. Jahrhunderts, niemand hat so vielen Menschen das Evangelium nahegebracht wie er. Unterwegs nach Wien finde ich in meiner Reiselektüre einen Artikel über das Leben und Wirken von ihm und seiner Frau Ruth. Der Schlüssel zu ihrem gemeinsamen Erfolg: vollkommene Hingabe und alles nur auf Jesus fokussieren. Zur selben Zeit gründete ein anderer Bill ein Missionswerk. Bill und Vonette Bright gaben in den 50er Jahren ihre gut bezahlte Stelle auf und begannen, vom Dach der Projektionskabine in einem kalifornischen Drive-In Kino, das Evangelium zu predigen. Vorher entschieden sie sich, Gott vorbehaltlos nachzufolgen, und formulierten einen Vertrag, in dem sie alles, was sie hatten, ihm überschrieben. Vollkommene Hingabe stand am Anfang ihres Dienstes und prägte ihr ganzes Leben. Heute ist die von ihnen gegründete Arbeit - Campus für Christus - eines der größten Missionswerke der Welt.
Ganz neu sind diese Erkenntnisse nicht. In der Bibel wollten des Öfteren Leute Jesus nachfolgen, und er stellte sie vor die „alles oder nichts“-Wahl. Und die einen entschieden sich für das „Alles“ und die anderen für das „Nichts“. Der Apostel Johannes schrieb im Buch der Offenbarung, was Gott von einer der christlichen Gemeinden in Kleinasien hielt: Weil sie nur lauwarm seien, würde er sie ausspucken, denn er würde es vorziehen, wenn sie entweder ganz kalt oder ganz heiß wären!
Schön. Als braver Christ weiß ich es nun also und biblisch belegt ist es ja auch: Gott will meine ganze Hingabe. Aber was bedeutet dies wirklich? Gebe ich mich Gott voll hin, wenn ich abends zur Entspannung mich lieber mit einem PC-Spiel beschäftige als ein Gebet zu sprechen? Im Urlaub las ich sechs Bücher über die Eisenbahnen in England, aber kaum drei Kapitel in der Bibel. Und erst im Gottesdienst: ein Ohr bei der Predigt und beide Augen bei den Konfirmandinnen! Es bleibt der leise Verdacht, dass Gott sich dies anders vorstellt.
Eigentlich wüsste ich sehr wohl, was wirkliche Hingabe wäre: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt“ antwortete Jesus auf eine entsprechende Frage. (Matthäus 22, 37) Die Hingabe ist also eine Sache der Herzenshaltung. Mein Herz sehnt sich nach Ablenkung am PC, jemand anders schaut fern. Ich liebe Eisenbahnbücher, jemand anders liebt Krimis. Es spielt keine Rolle, denn „Wo dein Schatz ist, da ist dein Herz“. Es ist ja auch nicht so, dass diese Sachen grundsätzlich schlecht sein müssen oder Sünde sind, es ist einfach die Frage, wie weit sie der Hingabe im Wege stehen oder nicht.
Da habe ich also auf der einen Seite Vorbilder vor mir wie Billy Graham oder Bill Bright, die ich achte und respektiere, und andererseits sehe ich mein eigenes Unvermögen, es ihnen gleich zu tun. Es ist also eine Sache, dies zu erkennen und zu wollen und eine ganz andere, es täglich umsetzen zu können! Aber auch dies ist nicht wirklich eine neue Erkenntnis, da ist es dem Apostel Paulus auch nicht besser ergangen. Denn er schrieb an die Christen in Korinth: „Ich weiß nicht, was ich tue. Denn ich tue nicht, was ich will; sondern was ich hasse, das tue ich.“ Und so bleibt eigentlich nur eine Schlussfolgerung: Wenn meine Hingabe nicht genügt, dann genügt immer noch die vollkommene Hingabe von Jesus Christus am Kreuz. Denn, wenn Jesus am Kreuz für alle meine Fehler und Unvollkommenheiten gestorben ist, und mich dadurch in Gottes Augen perfekt macht, dann hat er dies ganz sicher auch für meine mangelnde Hingabe getan.
Ich bin mir bewusst, dass diese Schlussfolgerung als vereinfachende und billige Ausrede für Versager verstanden werden kann. Dem ist aber nicht so, denn auch der erfolgreiche Paulus, der erfolgreiche Billy Graham und der erfolgreiche Bill Bright wussten alle nur zu gut, dass sie nur dank der Hingabe von Jesus am Kreuz vor Gott bestehen konnten.
Autor: Daniel Schoch
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